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Mein Geschlecht bestimme ich!

Lesezeit: ca.4 Minuten
Inhaltsverzeichnis

    ❓ Frau? Mann? Oder gibt es da noch mehr? Über diese Frage wird in der Gesellschaft viel gesprochen und manchmal auch gestritten. Das liegt daran, dass die Einteilung in Mann und Frau immer noch als „normal“ gilt. 

    🙌 Allerdings übersieht diese Zweiteilung etwas Wesentliches: Wie man sein eigenes Geschlecht erlebt, kann sich stark unterscheiden und passt manchmal eben nicht in die Zuschreibung Frau-Sein oder Mann-Sein. Und das ist normal und gut so. 

    💬 Leider werden Menschen, die nicht in diese Vorstellung von zwei Geschlechtern passen, oft übersehen, müssen sich ständig erklären oder erleben sogar Ablehnung und Anfeindungen. Umso wichtiger ist es, dass die Vielfalt in Sachen Geschlecht besser verstanden und offener besprochen wird.

    Im Deutschen sprechen wir oft über das „Geschlecht“ und meinen unterschiedliche Dinge. Im Englischen gibt es dafür eine klarere Unterscheidung zwischen sex und gender. 

    Darin besteht der Unterschied:

    Es gibt das biologische Geschlecht (auf Englisch: sex). Es zeigt sich durch äußere und innere Geschlechtsorgane wie Vulva und Eierstöcke oder Hoden und Penis. Dazu kommen XY- und XX-Chromosomen und Hormone wie Östrogen und Testosteron. Sie legen bei den meisten Menschen ein biologisches Geschlecht fest. Es gibt allerdings auch Menschen, bei denen das biologische Geschlecht nicht eindeutig einem der beiden zuzuordnen ist. 

    Außerdem gibt es ein soziales Geschlecht (auf Englisch: gender). Damit sind die Geschlechtsrollen gemeint, also was andere von uns erwarten, weil wir männlich oder weiblich sind oder sein sollen – etwa die Vorstellung, Mädchen interessieren sich für Mode oder Pferde und Jungs für Fußball und Autos. 

    Und es gibt die Geschlechtsidentität (Englisch: gender identity). Damit ist dein persönliches Geschlechtsverständnis gemeint, also welchem Geschlecht du dich selbst zugehörig fühlst, egal, was andere um dich herum sagen oder denken.

    Weiblich, männlich, divers

    Seit 2018 gibt es auch offiziell ein drittes Geschlecht. Früher konnte man in der Geburtsurkunde nur „männlich“, „weiblich“ oder „kein Geschlecht“ eintragen lassen. Seitdem gibt es zusätzlich die Möglichkeit „divers“. Das kann zum Beispiel auch im Ausweis oder im Kontakt mit Behörden angegeben werden. 

    Viele Menschen schreiben auch in ihre Social-Media-Profile oder E-Mail-Signaturen ihre Pronomen (he/him = männlich, she/her = weiblich, they/them = divers) – so wissen alle, wie die Person angesprochen werden möchte.

     

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    Geschlecht
    © pexels

    Es gibt ganz unterschiedliche Geschlechtsidentitäten. Ein paar Begriffe dieser hast du vielleicht schon mal gehört.

    Cis: Ein Mensch wurde als Junge oder Mädchen geboren und fühlt sich auch so. Die Bezeichnung „cis“ ist wichtig, um auszudrücken, dass es eben nicht selbstverständlich ist, dass biologisches Geschlecht und Geschlechtsidentität übereinstimmen.

    Inter: Ein Mensch hat körperliche Merkmale, die sich nicht eindeutig „männlich“ oder „weiblich“ zuordnen lassen – zum Beispiel eine Vagina und trotzdem Hoden, oder neben XY- ein weiteres X-Chromosom. Intergeschlechtlichkeit beschreibt also den Körper, nicht die Geschlechtsidentität: Inter-Menschen können sich als Frau, als Mann, als nicht-binär oder auch als inter identifizieren.

    Trans: Ein Mensch fühlt sich seinem bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht nicht oder nur teilweise zugehörig. Eine Transperson kann zum Beispiel mit weiblichem Geschlecht geboren sein, sich aber als Mann fühlen. Es gibt auch Transpersonen, die sich weder weiblich noch männlich fühlen.

    Nicht-binär: Nicht-binäre Menschen sehen ihre Geschlechtsidentität weder (nur) männlich noch (nur) weiblich. Manchmal wird auch von genderqueeren Menschen gesprochen.

    Genderfluid: Genderfluide Menschen bewegen sich fließend zwischen Geschlechtsidentitäten – mal eher weiblich, mal eher männlich, mal etwas dazwischen.

    Agender: Manche Menschen fühlen sich gar keinem Geschlecht zugehörig.

     

     

    Geschlecht ist unabhängig von sexueller Orientierung

    Das Geschlecht  beziehungsweise die Geschlechtsidentität sagt noch nichts über die sexuelle Orientierung aus, also darüber, zu welchem Geschlecht oder welchen Geschlechtern sich ein Mensch hingezogen fühlt – emotional, romantisch und/oder sexuell. Auch das ist für alle anders. 

     

    Wenn du mehr zu sexueller Orientierung erfahren willst, kannst du hier etwas dazu lesen.
    Sexuelle Orientierung und sexuelle Identitäten 

    Reden kann helfen – mit den Richtigen!

    Was, wenn du merkst, dass du nicht in die Rollenbilder und Geschlechterrollen passt, die andere von dir erwarten? Was, wenn Freunde und Familie dich nicht verstehen? Mit wem kannst du reden?
     

    Wir haben Yona-Yasin Steinert-Lindner nach Tipps gefragt. Er ist Arzt in Weiterbildung in der Kinder- und Jugendpsychiatrie am Zentrum für Psychiatrie Calw – Klinikum Nordschwarzwald. Das Interview mit ihm findest du hier.