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Prokrastination: Was tun gegen das ewige Aufschieben?

Lesezeit: ca. 7 Min
Inhaltsverzeichnis

    Einleitung

    Du musst bis morgen ein Referat vorbereiten, sitzt schon am Schreibtisch: eigentlich perfekte Bedingungen. Aber dann schickst du erst noch eine Nachricht an eine Freundin, scrollst dann eine Weile durch Social Media, plötzlich ist eine Stunde rum – und du hast noch nichts gemacht. Das ist ein Beispiel für Prokrastination. Und du bist damit nicht allein.

    Was ist Prokrastination?

    Prokrastination ist der Fachbegriff für Aufschiebeverhalten: Statt anzufangen, schiebst du Aufgaben oder Verpflichtungen auf oder machst stattdessen etwas weniger Wichtiges. 

    Das gibt kurzzeitig ein gutes Gefühl, führt später aber zu Stress, Druck und einem schlechten Gewissen. Das Aufschieben kann auch dazu führen, dass du dich schämst oder mit dir selbst unzufrieden bist.

    Warum schieben wir auf?

    Aufschieben ist keine Faulheit. Es ist ein Zeichen dafür, dass man gerade kämpft – und zwar mit den eigenen Gefühlen und der Motivation.
    Häufige Gründe des Aufschiebens sind:

    😟 Angst vor Fehlern oder Kritik: „Was, wenn es schlecht wird?“ – Die Angst vor der Bewertung blockiert den Start. 

    🎯 Perfektionismus: Dein eigener hoher Anspruch hemmt dich und die Aufgabe wirkt plötzlich unüberwindbar.

    😐 Fehlende Motivation: Die Aufgabe macht dir einfach keinen Spaß und erzeugt stattdessen unangenehme Gefühle in dir.

    😰 Leistungsdruck: Zu viel Druck im Außen und Innen führt dazu, dass im Kopf gat nicht mehr geht und du blockierst. 

    🌀 Überforderung mit der Aufgabe: Es gibt Aufgaben, die sind wirklich zu groß oder zu schwierig. Auch das kann passieren. In dem Fall solltest du mit jemandem sprechen, dem du vertraust, wie du weiter vorgehst. Oder vielleicht sogar mit der Person, die dir die Aufgabe gegeben hat, zum Beispiel deine Lehrerin.

    Unser Gehirn sucht in solchen Momenten nach einem schnellen „Notausgang“ – es will helfen, aus der unangenehmen Situation rauszukommen. Es versucht durch Ablenkung (z.B. Social Media statt Hausaufgaben) die unangenehmen Gefühle wie Überforderung oder Versagensangst auszublenden. 

    5 Effektive Tipps gegen Prokrastination

    1.Anderen von der Aufgabe erzählen

    🤝 Wenn zum Beispiel deine Freunde oder Geschwister Bescheid wissen, dass du heute eine Aufgabe erledigen musst, motiviert dich das, wirklich anzufangen.

     

    2. Ablenkung reduzieren

    📵 Handy weglegen, Benachrichtigungen aus oder Flugmodus an, vielleicht Kopfhörer auf.

     

    3. Die Aufgabe in mehrere Schritte aufteilen

    📋 „Referat schreiben“ wirkt wie eine Mammutaufgabe? Dann teile sie in mehrere Schritte auf, etwa:

    • Thema eingrenzen
    • Quellen suchen
    • Gliederung aufschreiben
    • ersten Abschnitt schreiben

    Schreib dazu, wie viel Zeit du für den Schritt brauchen wirst und wann du beginnst. Kleine Schritte fühlen sich machbarer an, und jeder abgehakte Punkt gibt dir ein kurzes Erfolgsgefühl.

    🤖 Wenn du nicht weißt, wie du eine Aufgabe in kleine Schritte aufteilen kannst, dann frag jemanden, der sich damit auskennt oder für dich ein Vorbild ist. Diese Person kann dir zeigen, wie sie die Aufgabe angehen würde und dir dabei helfen, den ersten Schritt zu machen.

     

    4. Kleine Zeiteinheiten

    🐜 Sag dir nicht „Ich lerne jetzt zwei Stunden“, sondern lieber: „Ich mache jetzt 5 Minuten.“ – Der Anfang ist das Schwerste. Wenn du die fünf Minuten durchgezogen hast, stehen die Chancen gut, dass dir das Weitermachen viel leichter fällt.

    Gib dir selbst immer wieder neue Chancen: Einmal aufgeschoben zu haben, bedeutet nicht, dass du es beim nächsten Mal nicht anders hinkriegen wirst. Überlege am nächsten Tag in Ruhe, was du beim nächsten Mal anders machen willst.

     
    5. Belohnungen einplanen

    🎮 Was machst du danach? Eine Folge deiner Lieblingsserie schauen, rausgehen, ein leckerer Snack? Wenn du weißt, welche Belohnung dich erwartet, fällt das Loslegen leichter.

    Wenn Prokrastination dein Leben stark einschränkt – du zum Beispiel immer wieder Fristen verpasst oder die Angst vor Aufgaben dich lähmt – kann es sinnvoll sein, mit jemandem zu sprechen, etwa der Schulsozialarbeit oder einer Beratungsstelle.

    💬 Telefonseelsorge: 0800 111 0111 (kostenlos, anonym, 24/7) oder im Online-Chat

    Weißt du das schon über Prokrastination? Häufige Fragen & Antworten

    Prokrastination ist keine eigenständige Diagnose. Prokrastination kann ein Symptom einer psychischen Erkrankung wie beispielsweise einer Angststörung, Depression oder ADHS sein. Das Thema betrifft viele Menschen, deshalb gibt es inzwischen spezialisierte Anlaufstellen, etwa die Prokrastinationsambulanz der Universität Münster.

    Meist stecken unangenehme Gefühle dahinter, denen dein Gehirn durchs Aufschieben ausweichen will: Angst vor Fehlern, Überforderung, Perfektionismus oder das Wissen, dass die Aufgabe unangenehm ist. Prokrastination ist kein Zeichen von Faulheit, sondern eine Reaktion auf Druck und fremde oder eigene Ansprüche.

    Manchmal können belastende Erfahrungen, etwa sehr viel Kritik aus der Familie / der Schule oder Leistungsdruck, dazu beitragen, dass man Aufgaben vermeidet. Wenn du das Gefühl hast, dass es bei dir so ist, wende dich an eine Vertrauensperson.

    Starkes Aufschiebeverhalten kann ein Hinweis auf ADHS sein. Bei ADHS fällt es besonders schwer, Aufgaben anzufangen oder durchzuhalten, wenn sie nicht interessant oder lohnenswert wirken. Das ist eine neurologische Besonderheit, keine Faulheit.