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Persönlichkeits-störungen & Borderline

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    Was sind Persönlichkeitsstörungen?

    Oft fällt es Betroffenen schwer, flexibel zu reagieren und mit Gefühlen umzugehen. Bei einer Persönlichkeitsstörung sind bestimmte Charakterzüge so extrem, dass sie das Denken, Fühlen und Verhalten prägen – oft ohne Rücksicht auf die Situation.

    „Geh weg – aber bleib da.“ „Sei mir ganz nah“ – und plötzlich ist jede Berührung doch zu viel. Menschen mit einer Borderline-Störung erleben ein Gefühlschaos: extrem, widersprüchlich und schlecht steuerbar. Das belastet nicht nur sie selbst, sondern auch ihr Umfeld. 

     

    Verschiedene Persönlichkeitsstörungen auf einen Blick:

    Borderline: extreme Gefühlswechsel, Angst vor Verlassenwerden, instabiles Selbstbild
    • Narzisstisch: Bedürfnis nach Bewunderung, wenig Mitgefühl, brüchiger Selbstwert
    • Dissozial (antisozial): keine Schuldgefühle, Regeln brechen, manipulativ
    • Vermeidend-selbstunsicher: starke Angst vor Ablehnung, geringes Selbstwertgefühl
    • Paranoid: ständiges Misstrauen, sich schnell angegriffen fühlen
    • Schizoid: zurückgezogen, Kontakt vermeiden, gefühlsdistanziert
    • Histrionisch: übertrieben emotional, aufmerksamkeitssuchend
    • Zwanghaft: perfektionistisch, ordnungs- und kontrollfixiert
    • Abhängig: Bedarf nach Bestätigung, Angst vor Alleinsein und Klammern

    Persönlichkeitsstörungen entstehen meist in der Jugend – sie bleiben bestehen, sind aber behandelbar.

    Habe ich oder jemand, den ich kenne, eine Borderline-Störung?

    Es gibt viele verschiedene Persönlichkeitsstörungen – und sie sind von Person zu Person unterschiedlich stark ausgeprägt. Die folgenden Anzeichen zeigen sich insgesamt typischerweise bei der Borderline-Störung, weil hier die Emotionen oft extrem und sprunghaft sind. Manche Verhaltensweisen wirken widersprüchlich oder übertrieben. Sie können aber anteilig auch bei anderen Persönlichkeitsstörungen vorkommen.

    🌀 Typische Gedanken und Gefühle:

    • Stimmungsschwankungen – euphorisch und kurz darauf verzweifelt
    • große Angst vor Ablehnung oder Verlassenwerden
    • innere Leere oder emotionale Überforderung
    • unsicheres Selbstbild: „Wer bin ich überhaupt?“
    • Gefühl, nicht zur Welt oder zu sich zu passen
    • Bedürfnis nach enger Nähe – und plötzlicher Rückzug oder Streit
    • impulsives Verhalten: Selbstverletzung, Drogenkonsum, riskante Aktion

     🌿 Körperliche Reaktionen:

    • Schlafstörungen, innere Unruhe
    • psychosomatische Beschwerden (z. B. Kopf- oder Bauchschmerzen)
    • Zittern, Herzrasen, Engegefühl oder Panik

     🤝 Soziale Anzeichen:

    • Konflikte mit Freund*innen oder Familie
    • sehr intensive, aber instabile Beziehungen
    • Rückzug bzw. Angst, nicht gemocht zu werden
    • starke Eifersucht oder klammerndes Verhalten

    🆘 Manche Betroffene verletzen sich oder haben Suizidgedanken. 

    Notfall? Hier bekommst du sofort Hilfe bei Suizidgedanken!
    📞 Telefonseelsorge: 0800 111 0111 (kostenlos, anonym, rund um die Uhr)
    💬 Online-Chat: www.telefonseelsorge.de

    Wie wird eine Persönlichkeitsstörung diagnostiziert?

    Viele Betroffene suchen erst wegen anderer Probleme wie z.B. Depressionen Hilfe. Die Diagnose braucht Erfahrung – wie man sie in der Jugendpsychiatrie oder bei einer ambulanten Psychotherapie finden kann.

    🏥 So läuft die Diagnose ab:

    • Gespräche über Gedanken, Gefühle, Verhalten
    • Fragen zur Lebensgeschichte und belastenden Erlebnissen
    • Beobachtung über längere Zeit

    Wie wird eine Borderline-Störung behandelt?

    Die gute Nachricht: Eine Borderline-Störung ist behandelbar. Auch wenn es Zeit braucht – viele lernen z.B. mit einer Therapie, ihre Gefühle besser zu steuern.

     🧠 Psychotherapie:

    • Dialektisch-Behaviorale Therapie (DBT): Umgang mit starken Gefühlen
    • Hilfe bei Stress, Wut und innerer Leere
    • auch Gruppen- oder Familientherapie kann unterstützen

     💊 Medikamente:

    • Es gibt keine „Pille gegen Borderline“ oder andere Persönlichkeitsstörungen
    • Bei zusätzlichen Symptomen wie Depression oder Angst können Medikamente unterstützen
     

    ❤️ Was noch hilft:

    • Menschen, die zuhören und da sind
    • geregelter Alltag mit festen Strukturen
    • Selbsthilfegruppen oder Online-Communities

    Bild
    Behandlung

    © adobe

    Weißt du das schon über Persönlichkeitsstörungen?

    Das lässt sich pauschal nicht sagen. Viele finden die Borderline-Störung besonders belastend, weil sie mit starken Gefühlen, Selbstverletzungen, Beziehungsproblemen und Suizidgefahr einhergeht. 

    Ja, obwohl die Borderline-Störung bei allen Geschlechtern vorkommt, zeigen sich die Symptome unterschiedlich. Bei jungen Frauen wird die Diagnose häufiger gestellt – nicht unbedingt, weil sie öfter betroffen sind, sondern weil sie öfter Hilfe suchen oder ihre Probleme anders zeigen. 


    Typisch bei jungen Frauen: 

    • Selbstverletzendes Verhalten (z. B. Schneiden) 
    • Essstörungen oder extremes Körperbild 
    • große Angst, verlassen zu werden 
    • sehr enge, aber instabile Freundschaften 
     

    Typisch bei jungen Männern: 

    • mehr impulsive oder aggressive Reaktionen 
    • häufiger Probleme mit Drogen oder riskantem Verhalten 
    • Gefühle werden seltener gezeigt oder mit Wut überdeckt 
    • Diagnose wird seltener gestellt, oft fälschlich als ADHS oder antisoziales Verhalten gedeutet

    Menschen mit einer Borderline-Störung können in einem Moment liebevoll und anhänglich, im nächsten abweisend oder wütend sein. Ihre Gefühlswelt ist oft sehr intensiv – das kann für sie selbst und andere anstrengend sein.