Selbstverletzung
Was zählt als selbstverletzendes Verhalten?
Selbstverletzendes Verhalten wird manchmal auch autoagressives Verhalten genannt. Dahinter steckt viel innerer Schmerz und Hilflosigkeit. Sich selbst zu verletzen hat also nichts mit „einfach nur Aufmerksamkeit wollen“ zu tun, sondern zeigt, dass jemand dringend Hilfe braucht. Denn es gibt andere Strategien, um mit Gefühlen umzugehen.
Als selbstverletzendes Verhalten gilt jede absichtliche Verletzung des eigenen Körpers – ohne dass man sich umbringen will.
🔹 Häufige Formen:
• Ritzen, Schneiden oder Aufkratzen der Haut
• Verbrennen (z. B. mit Zigaretten), verbrühen
• Kopf gegen die Wand schlagen
• Wunden aufreißen oder nicht heilen lassen
Selbstverletzung ist ein ernstes Warnsignal dafür, dass etwas nicht stimmt, und tritt häufig in Verbindung mit psychischen Krankheiten auf, z.B. mit einer Borderline-Persönlichkeitsstörung, aber auch mit Essstörungen und Depressionen.
👉 Mehr darüber liest du in unseren Artikeln über Borderline, Depressionen, Trauma, Esstörungen.
Warum verletzen sich Menschen selbst?
Viele Betroffene sagen, dass selbstverletzendes Verhalten ihnen kurzfristig hilft, den Druck bei starkem Stress oder überwältigenden Gefühlen abzubauen oder überhaupt etwas zu spüren.
🌀 Mögliche Gründe:
• Gefühle „rauslassen“, die sonst keinen Weg finden
• den inneren Druck senken
• sich selbst bestrafen
• sich wieder spüren bei Gefühlen wie innerer Leere
• mit Stress oder Krisen klarkommen
• anderen ohne Worte mitteilen, dass man leidet
Betroffene verstecken ihre Wunden und Verletzungen aus Scham oft. Wie kann man selbstverletzendes Verhalten erkennen?
🔍 Mögliche Hinweise:
• langärmelige Kleidung auch bei Hitze
• häufig Pflaster oder Verbände tragen
• Verletzungen an Armen, Beinen, Bauch
• wenn Menschen sich immer öfter zurückziehen
• sehr launisch oder verschlossen sein, alles sinnlos finden, kein Licht am Ende des Tunnels mehr erkennen
• Vermeidung von Gemeinschaftsumkleiden, zum Beispiel im Sportunterricht
Was, wenn man selbst oder jemand im Umfeld betroffen ist?
Selbstverletzendes Verhalten kommt bei Menschen zwischen 14 und 17 Jahren besonders häufig vor – manche Betroffene tun es nur ein- oder zweimal, andere regelmäßig. Es kann zu einer Art Sucht werden, sich selbst zu verletzen.
📌 Notfall? Hier bekommst du sofort Hilfe
📞 Telefonseelsorge: 0800 111 0111 oder 116 123 (kostenlos, anonym, rund um die Uhr)
💬 Online-Chat: www.telefonseelsorge.de
🤝 Wenn jemand aus deinem Umfeld betroffen ist:
• offen und direkt nachfragen, ob die Person sich selbst verletzt
• möglichst ruhig reagieren und zuhören, keinen Druck oder Vorwürfe machen
• die Person bitten, sich Hilfe zu holen (z.B. bei Vertrauenslehrern, einer Beratungsstelle oder dem Arzt) oder sie dabei unterstützen
Auch wenn es sich schrecklich anfühlt, eine Freundin oder einen Freund so verzweifelt zu sehen, dass sie oder er sich selbst verletzt: Achte immer auch auf dich selbst, wie es dir mit der Situation geht und ob du Hilfe dabei brauchst, damit umzugehen. Auch die engste Freundschaft kann keine therapeutische Hilfe ersetzen. Sprich mit jemandem, dem du vertraust darüber oder ruf bei der Telefonseelsorge an: 0800 111 0111 oder 116 123 (kostenlos, anonym, rund um die Uhr).
Kann man selbstverletzendes Verhalten behandeln?
Eine Therapie bei selbstverletzendem Verhalten hat drei Ziele:
- Das Symptom einordnen und herausfinden, ob eine psychische Erkrankung vorliegt.
- Die Auslöser für den Druck zu finden, zu beseitigen oder zu lindern.
- Andere Wege kennenzulernen, um mit Stress, Schmerz und schwierigen Gefühlen klarzukommen.
Die Betroffenen lernen zum Beispiel, wie man Probleme anspricht, sich selbst besser versteht und wie man Gefühle aushält, ohne sich zu verletzen. Therapeuten und Therapeutinnen arbeiten dabei mithilfe von sogenannten Skills: Hilfreichen Fertigkeiten, die sie dafür den Patient*innen vermitteln.