Kinder psychisch kranker Eltern
Was bedeutet „psychisch krank sein“?
Deine Mutter oder dein Vater wirken manchmal anders: erschöpft, traurig, wütend, ängstlich oder einfach still. Vielleicht gehen sie zu einer Psychologin oder einem Psychologen, weil sie merken, dass sie Hilfe brauchen. Dann haben sie wahrscheinlich eine psychische Erkrankung. So wie man sich ein Bein brechen kann, kann auch die Seele krank werden. Gefühle, Gedanken oder das Gehirn geraten aus dem Gleichgewicht
Wie verhalten sich Eltern, wenn sie psychisch krank sind?
Wie sich jemand verhält, wenn er psychisch erkrankt ist, hängt von der Erkrankung, aber auch von vielen anderen Faktoren ab. Für dich bedeutet das vielleicht, dass deine Eltern sich nicht mehr so viel um dich kümmern, du nicht mehr über eigene Probleme oder auch gute Erlebnisse sprichst, weil du fürchtest, deine Eltern zu belasten. Vielleicht sieht es für dich aber auch ganz anders aus.
💡Wichtig: Niemand ist schuld an der Erkrankung – genauso wenig wie bei einer körperlichen Erkrankung.
Kann mir das auch passieren?
Vielleicht denkst du: „Werde ich auch so?“ Manche psychische Erkrankungen können vererbt werden – aber du wirst nicht automatisch krank. Psychische Erkrankungen sind nicht ansteckend. Achte auf dich selbst, und hol dir Hilfe, wenn es dir schlecht geht.
Wie gehe ich mit der Situation um und wie achte ich auf mich?
- Übernimm dich nicht: Manche Kinder von psychisch kranken Eltern sind sehr emphatisch und hören gut zu. Das ist nützlich, kann aber auch belasten.
- Leb dein Leben: Du musst nicht immer funktionieren. Du darfst Probleme in der Schule haben, Liebeskummer spüren oder albern sein. Und du darfst dich freuen und dein Leben genießen. Das ist völlig okay!
- Leer deinen Rucksack: Die Situation zuhause kann sehr belastend sein. Stell dir vor, es wäre ein Rucksack voller Steine: Sorgen, Verantwortung, Unsicherheit, Schuldgefühle. Du musst diese Last nicht allein tragen. Wenn du darüber sprichst, wird der Rucksack leichter.
- Vertrau dich jemandem an: Manchmal merkst du, dass zu Hause etwas nicht stimmt, auch wenn niemand offiziell gesagt hat, dass jemand krank ist. Such dir Hilfe oder jemanden zum Reden.
Mit wem kann ich reden?
Familie: Oma, Opa, Tante, Onkel, der andere Elternteil
Schule: Lehrkräfte, Schulsozialarbeiterinnen und Schulsozialarbeiter
Freundinnen, Freunde oder deren Eltern: „Bei mir zu Hause ist viel los“ kann ein Einstieg ins Gespräch sein.
Hotlines, Chats, Infos:
- PEER4U: anonymer Chat mit Gleichaltrigen
- Nummer gegen Kummer: 116 111 (kostenlos & anonym)
- Krisenchat: Wenn du unter 25 bist, kannst du hier vertraulich mit Krisenberatern und -beratinnern schreiben, über WhatsApp oder SMS. Hier findest du mehr Infos dazu.
- Hilfen im Netz: Hier findest du Infos und auch Beratungsangebote [Mv4] dafür, wenn deine Eltern suchtkrank oder psychisch krank sind.
💡 Wichtig: Wenn es dir schlecht geht, warte nicht, bis jemand auf dich zukommt. Sprich eine Person an, der du vertraust oder nutze die oben genannten Angebote.
Vorbilder & Mutmacher
Fast jeder kennt jemanden, der psychisch krank ist. Das ist nichts Ungewöhnliches, du bist nicht allein. Einige Beispiele:
- Betty Taube – #ichwerdelaut: Betty setzt sich für Kinder suchtkranker Eltern ein. Hier siehst du eine Dokumentation.
- MarieeJoan: Sie spricht auf Instagram und YouTube offen über eigene Erfahrungen und schwierige Kindheitsthemen.
- Dokumentarfilm: „Mama macht mich krank“ zeigt, wie Kinder psychisch kranker Eltern leben und dass du nicht allein bist.
Was tun, wenn die Eltern wütend oder traurig sind?
- 🔒 Einen sicheren Ort aufsuchen: Geh in dein Zimmer, ins Bad, auf den Balkon oder nach draußen. Finde einen Platz, an dem du dich abschirmen und beruhigen kannst.
- 📞 Jemanden anrufen oder ansprechen. Such dir eine Person, der du vertraust, und erzähl, wie es dir gerade geht.
Wie du auf dich achtest
- Rituale: Musik hören, Sport treiben, malen, lesen.
- Gefühle ausdrücken: Schreiben, malen, reden.
- Freundinnen und Freunde treffen: Du merkst, dass dir ein Treffen gut getan hat, wenn du dich danach befreit, energiegeladen oder entspannt fühlst.
- Atemübung 4-6: Atme 4 Sekunden lang durch die Nase ein, dann 6 Sekunden langsam durch den Mund aus. Wiederhole das ein paar Mal. Diese Übung beruhigt Körper und Kopf.
- Grenzen setzen: Du darfst Nein sagen.
- Inneren Lieblingsort suchen: Schließe die Augen und stell dir deinen Lieblingsplatz vor. Male ihn in deiner Fantasie so bunt und schön aus, wie du magst. Träum dich dorthin, vielleicht auch abends, wenn du einschläfst. Oder mach dir eine geführte Fantasiereise an.