Vergleichen macht unglücklich
Einleitung
Die Deutscharbeit ist zurück. Neben dir jubelt jemand über eine Eins. Später scrollst du durch Instagram und siehst Urlaubsbilder, perfekte Outfits und Menschen, die scheinbar alles im Griff haben.
Und plötzlich ist er da, dieser Gedanke: Warum bin ich nicht auch so?
Willkommen in der Welt der Vergleiche. Die gute Nachricht: Du bist damit nicht allein. Alle Menschen vergleichen sich, und zwar ständig. Das Problem entsteht meist erst durch die Art, wie wir es tun.
Warum vergleichen wir uns eigentlich?
Wir Menschen sind soziale Wesen. Wir wollen dazugehören oder zumindest wissen, welche Rolle und Position wir in einer Gruppe haben. Deshalb versucht dein Gehirn ständig, herauszufinden, wo du im Vergleich zu anderen stehst. Passt du dazu? Bist du okay?
Das Gute daran: Vergleiche helfen dir, von anderen zu lernen und deine eigene Leistung besser einzuschätzen. Aber sie können dir auch wehtun.
Drei Arten des Vergleichens
⬆️Nach oben, Ziel: besser werden
Du siehst jemanden, der etwas besser kann, spürst kurz diesen Stich und denkst dann: „Das kann ich doch bestimmt auch, wenn ich es lerne.“ Zum Beispiel wenn jemand gut Geige spielt und du überlegst, ob du das nicht auch hinkriegen könntest. Dieser Vergleich kann motivieren.
Sich nach oben zu vergleichen kann aber auch wehtun, wenn du gerne hättest, was der andere hat, es für dich aber unerreichbar scheint.
⬇️Nach unten, Ziel: sich besser fühlen
Klingt fies, aber du kennst vielleicht diese Stimme, die sagt: „Immerhin bin ich nicht so schlimm dran wie…“ Für einen Moment fühlst du dich besser.
Psychologen haben das sogar bei Krankenhauspatienten beobachtet: Wem es schlecht geht, der sucht unbewusst jemanden, der noch schlechter dran ist. Kurzfristig hilft das. Aber nur bis zum nächsten Vergleich, bei dem du nicht so gut abschneidest.
↔️ Der Vergleich mit Ähnlichen
Besonders stark wirken Vergleiche mit Menschen, die uns ähnlich sind. Deshalb beschäftigen uns die Noten von Mitschülern und Mitschülerinnen oft mehr als die von Fremden.
Es kann daher auch wehtun, wenn Freunde scheinbar beliebter sind oder schneller neue Kontakte finden. Gerade diese Vergleiche haben großen Einfluss auf unser Selbstbild.
Warum macht Vergleichen oft unglücklich?
Du kennst deine eigenen Unsicherheiten, deine schlechten Tage, deine Zweifel. Von anderen siehst du vor allem auf Social Media meist nur die Schokoladenseite.
In dem Moment vergleichst du dein Innenleben mit der Außenseite anderer Menschen.Forschende vermuten, dass genau solche Vergleiche dazu beitragen können, dass wir uns weniger zufrieden fühlen und häufiger an uns selbst zweifeln.
📱 Was du siehst: Highlights, Reisen, gute Noten, glückliche Momente, schöne Fotos. Was du nicht wahrnimmst: Stress, Einsamkeit, Streit, Unsicherheit, schlechte Tage.
So entsteht leicht das Gefühl: Alle anderen haben ihr Leben besser im Griff als ich.
Und dann ist da noch der Neid
Manchmal scrollst du und spürst dieses unangenehme Ziehen. Neid hat einen schlechten Ruf, dabei kann er dir helfen, zu wissen, was du möchtest.
Du bist neidisch auf jemanden, der viel reist? Dann wünschst du dir vielleicht mehr Freiheit. Oder du hast diesen fiesen Stich, wenn andere eine enge Clique haben? Dann hättest du das vielleicht auch gerne.
Filmtipp:
Der Film Alles steht Kopf 2 hilft dir, Neid besser zu verstehen und vielleicht ein bisschen Frieden mit deinem Neid zu schließen: Neid ist dort ein kleines, rundes, grünblaues Wesen, das sich nach schönen Dingen sehnt.
💡 Tipp: Nutze Neid als Kompass, nicht als Vergleichsmaßstab. 💚
Woran merkst du, dass ein Vergleich dir nicht guttut?
- Du fühlst dich nach dem Scrollen schlechter als vorher.
- Du kannst dich kaum noch über eigene Erfolge freuen.
- Du hast ständig das Gefühl, hinterherzuhinken.
- Erfolge anderer machen dich eher traurig als dich zu motivieren.
Was hilft – außer „einfach aufhören“?
Sich nicht mehr vergleichen zu wollen, ist unrealistisch. Die bessere Frage lautet: Wie kann Vergleichen weniger wehtun?
🔄 Vergleich mit dir selbst statt mit anderen: Statt zu fragen: „Warum ist die so viel weiter als ich?“ kannst du fragen: „Bin ich heute meinen Zielen näher als vor einem Monat?“ Psychologen nennen das einen temporalen Vergleich, und er ist oft viel fairer, weil du dich an deiner eigenen Entwicklung misst.
🧩 Das große Ganze sehen: Niemand ist überall gut, bei niemandem läuft immer alles rund. Ein Mensch besteht aus viel mehr als Noten, Likes oder Aussehen. Erinnere dich daran: Die schwierigen Teile des Lebens siehst du bei anderen oft nicht. Aber alle haben sie.
🌱 Zu sich selbst freundlicher sein: Sprichst du innerlich so mit dir wie mit deiner besten Freundin oder deinem besten Freund? Nein? Dann wird es Zeit, das zu tun. Wer sich selbst mit mehr Mitgefühl begegnet, gerät oft weniger unter Druck, ständig mit anderen mithalten zu müssen.
📵 Feed-Check: Nicht jeder Account tut gut. Entfolge Kanälen, die bei dir ein schlechtes Gefühl hinterlassen, und gönn dir Auszeiten vom Scrollen. Das bestätigt auch das Leibniz-Institut für Medienforschung. Anstatt Accounts zu folgen, die ständig flexen, besuch lieber welche, die ehrlich sind.
🔕 Weniger Social Media und Handy: Du musst nicht ganz auf Social Media oder das Handy verzichten. Vielleicht hilft es, wenn du deine Bildschirmzeit zumindest erstmal etwas reduzierst oder bewusste Pausen machst. Oder du machst was, wo du eh nicht am Handy bist: Freunde treffen, Sport machen, einem Offline-Hobby nachgehen.
💪 Eine Stärkenliste anlegen: Jeder hat Stärken und Schwächen. Wenn du überlegst, was du gut kannst, und das aufschreibst, fühlst du dich vielleicht nicht mehr so schlecht gegenüber jemandem, mit dem du dich vergleichst.
💭 Denk dir „Und trotzdem!“: Dass jemand in irgendwas „besser“ ist als du, entwertet dich und deine Leistung oder Eigenschaften nicht. Du kannst es zum Beispiel auch so sehen: „Die hat eine bessere Note und trotzdem habe ich mir Mühe gegeben und eine gute Note“. Die Perspektive auf etwas zu ändern, kann helfen!