Ängste und Phobien
Angststörungen und Phobien gehören zu den häufigsten psychischen Erkrankungen – zum Glück sind sie gut behandelbar. Angst ist eigentlich eine nützliche Reaktion des Körpers: Sie hilft uns, in gefährlichen Situationen aufmerksam zu sein und schnell zu reagieren. Doch was, wenn Ängste unkontrollierbar werden oder in Situationen auftreten, die eigentlich sicher sind?
Welche Arten von Angststörungen gibt es?
Spezifische Phobien:
- Die spezifische Phobie ist auf eine ganz bestimmte Sache oder Situation bezogen. Betroffene versuchen deshalb, dieser Sache um jeden Preis aus dem Weg zu gehen.
Beispiele für spezifische Phobien:
🕷 Spinnenphobie (Arachnophobie):
- Intensive Angst vor Spinnen, auch wenn sie harmlos sind
- Betroffene meiden Orte, an denen sie Spinnen vermuten, etwa Keller oder Gärten
🚀 Höhenangst (Akrophobie):
- Betroffene haben starke Angst vor oder an höhergelegenen Orten wie Türmen, Bergen, Brücken, Abhängen, Hochhäusern und Balkonen. Sie meiden diese Orte daher.
Agoraphobie (Angst auf weiten Plätzen und vor Menschenmengen):
- Angst vor Situationen, aus denen man nur schwer fliehen könnte, in denen man nicht schnell Hilfe bekommen würde oder in denen man Aufsehen erregen würde, falls man in Panik gerät oder beispielsweise einen Arzt benötigt
- Betroffene meiden daher beispielsweise Menschenmengen, öffentliche Plätze oder Reisen in Bus, Flugzeug und Bahn
- Nicht zu verwechseln mit der Klaustrophobie (Raumangst), bei der man Angst vor engen Räumen hat
Soziale Phobie:
- Starke Angst, im Mittelpunkt der Situation zu stehen oder sich zu blamieren
- Angst vor Referaten, neuen Bekanntschaften und weiteren sozialen Situationen
Panikstörung:
- Diese Form der Angst tritt plötzlich und ohne erkennbaren Grund auf. Sie fühlt sich sehr bedrohlich an, weil der Körper Alarm schlägt, zum Beispiel mit Herzrasen, Schwitzen, Zittern oder Atemnot.
Generalisierte Angststörung:
- Die betroffenen Menschen haben die ganze Zeit unterschwellig Angst. Sie machen sich ständig Sorgen, zum Beispiel über die Zukunft oder ihre Gesundheit, und sind dauerhaft angespannt.
Habe ich oder jemand, den ich kenne, eine Angststörung oder Phobie?
😨 Typische Anzeichen für eine Angststörung / Phobie:
- Die Angst taucht ohne erkennbaren Grund auf und fühlt sich überwältigend an.
- Sie hält über einen langen Zeitraum an oder tritt immer wieder in ähnlichen Situationen auf.
- Die Angst lässt sich nicht kontrollieren.
- Bestimmte Orte, Situationen oder Dinge werden aus Angst vor der Angst gemieden.
💓 Körperliche Symptome:
- Herzrasen oder starkes Herzklopfen
- Atemnot oder das Gefühl, keine Luft zu bekommen
- Zittern, Schweißausbrüche oder ein Engegefühl in der Brust
- Schwindel, Übelkeit oder das Gefühl, gleich umzukippen
🌀 Gedanken und Gefühle:
- Angst, die Kontrolle zu verlieren oder verrückt zu werden
- Ständige Sorgen, dass etwas Schlimmes passiert
- Angst vor der Angst: „Was, wenn ich wieder Panik bekomme?“
- Rückzug von Freunden oder Familie, weil die Angst alles bestimmt oder aus Scham
Wie wird eine Angststörung / Phobie diagnostiziert?
Wenn du oder jemand, den du kennst, starke Ängste erlebt, kann eine medizinische Diagnose helfen. Dafür ist ein Gespräch mit einer Ärztin oder einem Psychotherapeuten der erste Schritt.
Sie fragen:
- nach der Art der Angst
- wie lange sie besteht
- in welchen Situationen sie auftritt
- wie stark sie den Alltag einschränkt
- wie die sonstigen Lebensumstände aussehen
Dazu kommen Untersuchungen, um körperliche Ursachen als Auslöser der Angst auszuschließen, zum Beispiel Herz- und Bluttests.
Wie kann eine Angststörung oder spezifische Phobie behandelt werden?
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, mit Ängsten besser umzugehen.
🧠 Therapieformen:
- Kognitive Verhaltenstherapie (KVT): Lernprozesse helfen, die Angst zu verringern
- Eine Methode der Verhaltenstherapie ist die Expositionstherapie: Betroffene setzen sich kontrolliert ihrer Angst aus
💊 Medikamente:
- SSRIs (Selektive Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer) können Angstsymptome lindern
Manche Menschen lernen außerdem Entspannungstechniken – denn Angst-Situationen lassen sich beispielsweise mit Atemübungen besser kontrollieren.
Weitere Informationen zu Ängsten und Phobien findest du bei Instagram @Curamenta
Hier findest du Hilfe
Du denkst, dass du vielleicht an einer Angststörung oder Phobie leidest? Oder dass jemand, der dir nah steht daran leidet? Es gibt viele Möglichkeiten, Hilfe zu finden! Du kannst zum Beispiel mit einer Person sprechen, der du vertraust und ihr von diesem Text und deinen Sorgen erzählen. Oder du wählst die Nummer gegen Kummer: 116 111. Das ist anonym und kostenlos und du kannst mit dem Menschen am anderen Ende über alles reden. Mehr Infos findest du hier: https://www.nummergegenkummer.de/.